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Back on Track in Innsbruck

Lange musste Eva-Maria Hammelmüller (ÖAV Haag) verletzungsbedingt passen. Nun wird die 21-Jährige beim Heimweltcup in Innsbruck in den Disziplinen Lead und Bouldern nächste Woche auf die große Kletterbühne zurückkehren.

Nach einer starken Vorbereitung ist dir vor ein paar Wochen eine Knieverletzung dazwischengekommen. Wie waren die Wochen nach der Verletzung?
Eva-Maria Hammelmüller: Nach dem Missgeschick war mein erster Gedanke „die Saison kann ich definitiv vergessen“. Bei einer Knieverletzung hat man schnell die schlimmsten Szenarien im Kopf. Gott sei Dank hat sich im Krankenhaus sehr schnell herausgestellt, dass die Kreuzbänder heil sind und nur die Kniescheibe herausgesprungen sowie ein unwichtiges Band gerissen ist. Da ist mir echt ein Stein vom Herzen gefallen. Ich war darüber echt froh, zumal ich sehr schnell wieder mit dem Training beginnen konnte und den Fokus auf meine Schwachstellen im Kraftbereich gelegt habe. Natürlich habe ich mich leid gesehen, dass die anderen Mädls sich auf die Wettkämpfe vorbereiten – vor allem in Meiringen wäre ich gerne an den Start gegangen.

Auch wenn du mit einem blauen Auge davongekommen bist, wie mental herausfordernd war diese Zeit für dich?
Hammelmüller: Am Anfang war ich voll am Boden zerstört. Aber als ich erfahren habe, wie schnell ich wohl wieder mit dem Klettern starten kann, ist es mir mental richtig gut gegangen – ich habe in jeder Phase versucht das beste rauszuholen. Aber es war schon bitter, dass ich die interne Qualifikation verpasst habe und an den ersten Bewerben nicht teilnehmen konnte. Aber ich konnte es nicht ändern, habe es vielmehr so genommen, wie es ist. Aber ich kann mit einem guten Gewissen sagen, das ich die Zeit intensiv genutzt habe. Krafttraining für den Oberkörper, Fingertraining und das klassische Hangeln standen auf der Tagesordnung. Ich war erstaunt, dass ich nach knapp fünf Wochen wieder normal klettern konnte – zwar behutsam, aber immerhin! Ich war dann auch viel auf dem Felsen unterwegs und fühle mich jetzt bereit für den Heim-Weltcup in Innsbruck.

Bist du fitter als vor der Verletzung?
Hammelmüller: Das würde ich ganz klar mit ja beantworten. Ich konnte mich voll und ganz auf das Training konzentrieren und habe mir die Zeit genommen, um an den Schwachstellen zu arbeiten. Während den Wettkämpfen ist das eh nicht möglich, da man da nicht so zähe Krafteinheiten einschiebt. Ich habe echt große Fortschritte macht, das stimmt mich sehr positiv.

In Innsbruck wirst du dein Comeback feiern und bist sowohl im Bouldern als auch im Lead am Start. Was sind deine Erwartungen?
Hammelmüller: Für den Boulder-Bewerb traue ich mich keine Prognose abgeben. Ich war noch nie bei einem Weltcup am Start. Ich will einfach wertvolle Erfahrungen sammeln und ohne Druck klettern. Es wird sich dann zeigen, wo ich stehe und in welche Richtung es gehen wird. Im Vorstieg habe ich mir vorsichtig das Ziel Halbfinale gesetzt – bei einem guten Verlauf ist das zu packen.

Ist Lead eigentlich deine Lieblingsdisziplin?
Hammelmüller: Ich finde beide Disziplinen sehr cool, egal ob im Training oder im Wettkampf. Früher war der Vorstieg definitiv meine Stärke, jetzt kommt es wohl auch auf die Route oder die Boulder an. Mir taugt beides, und so gehe ich die Sache nächste Woche auch an.

Zwei verschiedene Bewerbe innerhalb kürzester Zeit gehen wohl an die Substanz? Ist es ein Vorteil, dass zuerst der Vorstieg kommt und dann erst gebouldert wird?
Hammelmüller: Von der Aufteilung ist das ideal. Beim Bouldern geht es eher an die Maximalkraft und beim Lead kann man die Sache kontrollierter angehen. Von dem her finde ich das persönlich in dieser Reihenfolge ganz gut. Nach den fünf Qualifikations-Boulder kann es schon mal vorkommen, dass man keine gute Haut mehr hat. Dann ist es gut, wenn es schon dem Ende zugeht.

Es erwartet euch ein Mega-Event, an dem alle Disziplinen ausgetragen werden. Wie findest du diesen Ansatz – es kommt ja nicht allzu oft vor?
Hammelmüller: Ich finde das richtig cool, wenn so viele Starter in den verschiedenen Disziplinen zusammengefasst werden. Für uns gibt es da einen richtig tollen internationalen Vergleich und einen intensiven Austausch mit den Athletinnen und Athleten aus den anderen Ländern. Aber im Endeffekt gilt die Konzentration einem selbst. Da ist es unterm Strich egal, wer da ist. Es ist großartig, aber es hat auf meine Leistung beziehungsweise meine Nervosität keine direkte Auswirkung.

Wie froh bist du, dass beim Wettkampf wieder viel los sein wird? Es gibt zwar keine Zuschauer, aber es sind für das Event bereits 600 AthletInnen und BetreuerInnen registriert …
Hammelmüller: Natürlich merkt man das als Sportler, wir haben die Atmosphäre wirklich vermisst. Bei den Selektionen waren nur einige Leute da, und das hat schon eine gute Stimmung. Unser Sport lebt von der Stimmung und ich hoffe, dass da ordentlich was los sein wird.

Dein Trainer Kilian Fischhuber hat unlängst bei der Pressekonferenz gesagt, dass es einen Heimvorteil gibt und ihr AthletInnen den nützen müsst. Wie siehst du das, gibt es wirklich einen?
Hammelmüller: Dem kann ich nur zustimmen. Wir kennen die Wand genau und es ist alles vertraut. Diese Rahmenbedingungen wollen wir für uns nutzen. Wir sind das Umfeld gewohnt, haben unsere Abläufe und kennen beispielsweise den Aufwärmbereich sehr gut. Wenn man zu anderen Events fährt, ist das gerade am Anfang immer mit Stress verbunden, bis man dort seinen Plan und seinen Rhythmus gefunden hat. Das wichtigste ist, dass wir eine perfekte Vorbereitung haben werden und uns die Anreise ersparen. Für mich ist es einfach ein perfekter Zeitpunkt, um nach der Verletzung in die Saison zu starten.

Es werden nächste Woche beim Heimweltcup die Olympia-Griffe verwendet. Ist das eine Umstellung?
Hammelmüller: Die Griffe sind für uns nicht neu, die haben wir schon seit einiger Zeit in Verwendung. Das ist aber nicht nur bei uns so, sondern die Griffe werden auch bei fast allen Veranstaltungen hergenommen. Die Vorfreude ist aber schon richtig groß.

Apropos Olympia. Es sind einige Routenbauer mit von der Partie, die auch in Tokio bei den Olympischen Spielen schrauben werden. Das betrifft dich zwar nicht direkt, aber hat wohl so auch seinen Reiz?
Hammelmüller: Das ist schon richtig cool. Wir Athletinnen und Athleten wissen, dass sie wirklich sehr gute Routenbauer sind und eine super Qualität abliefern. Auch wenn ich in Tokio nicht dabei bin, ist das dann schon ein spezielles Flair, das dann so hautnah zu erleben und sich den gebauten Herausforderungen zu stellen.

 

Aber es geht nach Innsbruck mit vielen Bewerben weiter. Was steht da bei dir noch am Zettel?

Hammelmüller: Direkt nach Innsbruck geht es für mich in die Schweiz, dort nehme ich in Villars an einem Lead-Bewerb teil. Die restlichen Weltcups sind noch nicht final besprochen. Auch wenn ich lange passen müsste, habe ich die Weltmeisterschaft in Moskau noch am Zettel. Mein Ziel ist es, dass ich mich im Lead hierfür qualifizieren kann, im Bouldern habe ich aufgrund zu weniger Wettkämpfe kaum Chancen, die internen Qualifikationskriterien zu erfüllen.

In Chongqing, wo letztes Jahr Tomoa Narasaki und Coxsey gewonnen hatten, warteten die Japaner nicht lange um zu beweisen, dass ihr Ergebnis Meiringen keineswegs ein Glückstreffer gewesen war - alle 10 (!) japanischen Herren zogen ins Halbfinale ein. 

Die "Enttäuschten" von Meiringen, darunter klingende Namen wie Jakob Schubert, Tomoa Narasaki, Akiyo Noguchi und Anna Stöhr (vor zwei Wochen alle in der Qualifikation ausgeschieden) fanden zu gewohnter Stärke zurück und hatten in der ersten Runde keine Probleme. Rustam Gelmanov und Sean McColl verpassten dafür zum zweiten Mal das Halbfinale, ein Schicksal, das dieses Mal auch Meiringen-Finalist Jernej Kruder erwischte. Bei den Damen gelangen den jungen Janja Garnbret und Miho Nonaka in der Qualifikation die perfekte Runde: sie kletterten ihre 5 Boulder in nur 5 Versuchen.


Das Halbfinale war für Damen und Herren eine große Herausforderung, mit sehr athletischen Problemen am äußersten Ende des Schwierigkeitsspektrums. Janja Garnbret war davon unbeeindruckt, sie flashte drei von vier Problemen, das vierte gelang ihr im zweiten Versuch. Dadurch zog sie deutlich in Führung liegend ins Finale ein, wo bekanntermaßen die Karten neu gemischt werden. Die nimmermüde Anna Stöhr hatte ihren grippalen Infekt auskuriert und erreichte das Finale ebenso wie Noguchi, Coxsey und Stasa Gejo. Die junge Kanadierin Alannah Yip komplettierte das Sextett, sie erreichte ihr erstes Finale, das erste überhaupt in der Geschichte für eine Kanadierin.

Jongwon Chon, Tomoa Narasaki und Alexey Rubtsov, vor der Saison die wohl am höchsten gehandelten Favoriten, kletterten ins Finale. Manuel Cornu und die Japaner Kai Harada und Keita Watabe (mit zwei Finalteilnahmen bei zwei Weltcups der Newcomer der Saison) schafften es auch in die Endrunde.

Der Showdown

Shauna Coxsey zog die Aufmerksamkeit sofort auf sich, als sie "wie eine richtige englische Lady" (Kommentator) mit einem Regenschirm die Boulder anschauen ging. Glück brachte ihr das keines. Janja Garnbret legte am ersten Boulder gleich vor und toppte ihn als einzige. Das ganze Wochenende war eine Demonstration ihres unglaublichen Könnens. Finalboulder 2 und 3 gelangen hingegen mehreren Finalistinnen.  

So war es bei den Damen und Herren bis am Ende offen. M1 und M2 hatten Rubtsov, Narasaki und Chon geflasht. Chon schien beim dritten Boulder der Schwerkraft ein Schnippchen zu schlagen, er war der einzige, dem der Boulder gelang. Als es zu M4 ging, lag er vorn. Rubtsov, der erste Starter, rutschte am letzten Zug unglücklich ab. Ihm gelang es nicht, wieder so hoch zu kommen. Als ihm nur noch 30 Sekunden blieben, gelang ihm eine schiere Willensleistung, er schaffte den Boulder. Am Ende hielt er den Topgriff bei 4:02 Minuten in der Hand - die Jury wertete das Top also nicht. Fassungslos verließ er die Bühne. Narasaki kletterte den Boulder und sicherte sich Platz zwei. (Nachtrag: Ihm wurde sein Top später aberkannt, an seiner Platzierung änderte das aber nichts.) Als Jongwon Chon und Janja Garnbret die Bühne betraten, war der Sieg für beide in Reichweite, aber sie spürten Narasaki's und Coxsey's Atem im Nacken. 


Janja tat, was sie tun musste: Sie stieg durch. Chon flashte den Boulder, aber die Jury akzeptierte sein Top nicht, weil er nicht mit beiden Händen den letzten Griff berührte. Er kletterte also noch einmal, machte oben alles richtig und sicherte sich seinen ersten Saisonsieg.

Alles in allem war es ein sehr spannender Wettkampf. Rubtsov und Coxsey führen nach zwei von sieben Wettkämpfen die Gesamtwertung an. Am Wochenende geht es in Nanjing weiter.

Weltrekord im Speed

Gleich beim ersten Speed-Weltcup der Saison gelang Iuliia Kaplina ein neuer Weltrekord: Die Uhr blieb bei 7:46 stehen, sie unterbot ihre Bestmarke um 7 Sekunden. Bei den Herren gewann Vladislav Deulin.


Ergebnisse:

Bouldern:


Herren:
1. Jongwon Chon
2. Tomoa Narasaki
3. Alexey Rubtsov
4. Keita Watabe
5. Kai Harada
6. Manuel Cornu

Damen:
1. Janja Garnbret (SLO)
2. Shauna Coxsey (GBR)
3. Akiyo Noguchi (JPN)
4. Anna Stöhr (AUT)
5. Alannah Yip (CAN)
6. Stasa Gejo (SRB)


Speed: 

Herren:
1. Vladislav Deulin (RUS)
2. Stanislav Kokorin (RUS)
3. Danyil Boldyrev (UKR)

Damen:
1. Iuliia Kaplina (RUS)
2. Mariia Krasavina (RUS)
3. Alla Marenych (UKR)