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"Klettern und Innsbruck, das passt!"

Die Olympia-Generalprobe in Innsbruck war für Jakob Schubert ein voller Erfolg. Sieg im Vorstieg und also auch KVÖ-Rekordhalter in Sachen Weltcup-Erfolge.

Platz 14 im Bouldern, aber nur um Millimeter am Finale vorbei. Im Interview spricht der 30-jährige Dreifach-Weltmeister und Olympia-Debütant über die Lehren der Austria Climbing Open, den Masterplan für die finale Vorbereitung auf die Spiele und verrät, warum Tokio eine Nervenschlacht werden könnte.

Jakob, was nimmst du mit vom Heim-Weltcup für die letzten Meter auf deiner „Road to Tokyo“?

Jakob Schubert: Zunächst einmal war es wieder ein Mega-Event. Klettern und Innsbruck, das passt einfach. Ich habe mir viel vorgenommen, speziell für den ersten Vorstieg-Weltcup in dieser Saison. Da wollte ich zeigen, was ich draufhabe. Das gibt viel Selbstvertrauen und war die erhoffte Bestätigung für Olympia und für mein gutes Gefühl, das ich mir in den letzten Wochen erarbeitet habe!

Bleiben wir gleich beim Gefühl: Wie gut hat der Sieg getan?

Schubert (lacht): Den mag ich gegen nichts tauschen! Innsbruck hat es schon oft gut mit mir gemeint. Es ist mir wieder vieles aufgegangen, die Final-Route war super zum Klettern und ich hatte auch das kleine bisschen Glück auf meiner Seite. Eine Sache hat mich aber ganz besonders gefreut …

Nämlich?

Schubert: Im Vorstieg geht es auch um viele taktische Dinge, die konnte ich im Finale super umsetzen. Also nicht immer nur Vollgas, sondern auch einmal bewusst bremsen und dadurch noch mehr rausholen.

Es war dein 22. Weltcup-Sieg, damit bist du jetzt alleiniger KVÖ-Rekordhalter bei den Männern. Was bedeuten dir solche Bestmarken?

Schubert: Ich würde lügen, wenn ich sage, dass es mir nichts bedeutet. Natürlich taugt es mir extrem, 22 Weltcup-Siege zu haben. Aber das soll es noch nicht gewesen sein. Ich werde versuchen, die Zahl noch weiter nach oben zu schrauben.

Wie ordnest du deine Leistung im Bouldern ein?

Schubert: Es geht oft nur um Millimeter, die über Aufstieg oder Ausscheiden entscheiden. Ich war mit den Fingerspitzen am Finale dran, aber mental in der Situation nicht bereit. Vielleicht war ich auch schon ein bisschen müde von den letzten Tagen.

Wie viel Kraft hat der Heim-Weltcup gekostet?

Schubert: Es war ein intensives Programm, die Hitze sehr fordernd und die Tage richtig lang. Nach dem Vorstieg bin ich erst um 2 Uhr ins Bett gekommen. Aber ich habe mir einen vor-olympischen Härtetest gewünscht und das war es jedenfalls. In den nächsten Tagen muss ich aber schauen, dass ich meine Akkus wieder voll auflade für die finale Phase der Olympia-Vorbereitung.

Weißt du schon, wie diese aussehen wird?

Schubert: Nächste Woche starte ich beim Weltcup in Villars. Dort stehen Vorstieg und Speed am Programm. Da geht’s im Vorstieg einerseits um die Bestätigung von Innsbruck und darum noch mehr reinzukommen und andererseits ums Feeling im Speed. Danach bin ich in Wien bei der Olympia-Einkleidung, auf die ich mich schon sehr freue.

Und trainingstechnisch?

Schubert: Ich habe dann noch knapp drei Wochen daheim, wo ich an den letzten Kleinigkeiten arbeiten werde. Mit dem Ziel, in jeder Disziplin noch ein bisschen zuzulegen. Bis jetzt habe ich mich sehr gezielt auf die verschiedenen Weltcups vorbereitet. Jetzt geht es darum, in allen drei Disziplinen an den letzten Schrauben zu drehen und alles zusammenzuführen, um physisch und mental wirklich ready nach Tokio zu reisen.

Wie groß wird der Druck bei den Olympischen Spielen sein?

Schubert: Man hat schon hier in Innsbruck gesehen, dass man sich nicht viel leisten kann. Und klar ist auch, dass Olympia sicher auch eine kleine Nervenschlacht wird. Da muss man perfekt vorbereitet sein. Ich bin froh, dass ich ein Zeichen setzen konnte. Die anderen wissen spätestens jetzt, dass sie auch in Tokio wieder mit mir rechnen müssen!

Mission Medaille?

Schubert: Ich bin doch schon sehr lange im Wettkampfklettern dabei, habe viel erreicht. Da kann ich nicht mit dem Motto reingehen: Dabei sein ist alles! Ich habe hochgesteckte Ziele und Erwartungen, ja, aber ich werde auch nicht so viele Olympia-Chancen haben. Maximal zwei. Deshalb möchte ich es am liebsten gleich in Tokio zählen lassen und mir eine Medaille sichern.